Archiv der Kategorie: Rassismus

Riots in Baltimore

As you may gather from the news from Baltimore, the situation of blacks in the U.S. is still as Noam Chomsky described it in this interview:

http://opinionator.blogs.nytimes.com/2015/03/18/noam-chomsky-on-the-roots-of-american-racism/?_r=0

…und hier die Übersetzung:

The New York Times

The Stone
Noam Chomsky über die Wurzeln des amerikanischen Rassismus
von George Yancy und Noam Chomsky
18. März 2015, 7:00 Uhr

The Stone ist ein Forum für zeitgenössische Philosophen und andere Denker, das sich mit sowohl aktuellen als auch zeitlosen Angelegenheiten beschäftigt.

Dies ist der 8. Teil einer Reihe von Interviews mit Philosophen zum Thema Rassismus, die ich für „The Stone“ durchführe. Diese Woche führte ich das Gespräch mit Noam Chomsky, einem Sprachforscher, politischem Philosoph und einem der prominentesten öffentlich bekannten Intellektuellen der Welt. Er ist der Autor vieler Bücher, einschließlich, ganz aktuell, “Über den westlichen Terrorismus: Von Hiroshima bis zum Dronenkrieg,” mit Andre Vltchek.
– George Yancy
George Yancy: Wenn ich an den Titel Ihres Buches ”Über den westlichen Terrorismus” denke, werde ich an die Tatsache erinnert, daß viele schwarze Menschen in den Vereinigten Staaten eine lange Geschichte der Terrorisierung durch weißen Rassismus hinter sich haben, von willkürlichen Prügeln bis zum Lynchen von mehr als 3.000 schwarzer Menschen ( einschließlich Frauen) zwischen 1882 und 1968. Deshalb war ich 2003, als ich von den unmenschlichen Taten im Abu Ghraib Gefängnis las, nicht überrascht. Ich einnere mich, daß Präsident George W. Bush, als die Bilder auftauchten, sagte: “Dies ist nicht das Amerika, das ich kenne.” Aber ist dies nicht das America, das schwarze Menschen immer gekannt haben?
Noam Chomsky: Das Amerika, das “schwarze Menschen immer gekannt haben” ist kein attraktives. Die ersten schwarzen Sklaven wurden vor 400 Jahren in die Kolonien gebracht. Wir können uns nicht erlauben, zu vergessen, daß es während dieser langen Zeit nur ein paar wenige Jahrzehnte gab, in denen Afro-Amerikaner, abgesehen von einigen wenigen, einige begrenzte Möglichkeiten hatten, in den Mainstream der amerikanischen Gesellschaft zu gelangen.
Wir können uns ebenfalls nicht erlauben, zu vergessen, daß die grauenhaften Sklaven-Arbeitslager des neuen “Reiches der Freiheit” eine primäre Grundlage des Reichtums und der Privilegierung der amerikanischen Gesellschaft waren, ebenso wie für England und dem Kontinent. Die industrielle Revolution basierte auf Baumwolle, die hauptsächlich in den Sklaven-Arbeitslagern der Vereinigten Staaten produziert wurde. .
Thomas Jefferson fürchtete die Befreiung der Sklaven, die “zehntausend Erinnerungen” an die Verbrechen, denen sie ausgesetzt waren.
Wie nun bekannt ist, waren sie ( die Sklaven-Arbeitslager ) hocheffizient. Die Produktivität stieg dank der Technologie der Peitsche und Pistole und der effizienten Praxis der brutalen Folter schneller als in der Industrie, wie Edward E. Baptist in seiner kürzlich veröffentlichten Studie “Die Hälfte wurde nie erzählt“ aufzeigt. Hierdurch wurde nicht nur der große Wohlstand der Aristokratie der Plantagenbesitzer erreicht, sondern ebenfalls der Erfolg der amerikanischen und britischen Produktionsindustrie, des Handels und der Finanzinstitute des modernen Staatskapitalismus.
Es ist bzw. sollte allgemein bekannt sein, und kommt einem auch aus den Ratschlägen an weniger entwickelte Staaten vertraut vor, daß sich die Veinigten Staaten durch katagorische Ablehnung der Prinzipien der “gesunden Volkswirtschaft”, welche die führenden Wirtschaftswissenschaftler jender Tage propagierten, entwickelten. Statt dessen folgten die gerade befreiten Kolonien dem englischen Modell mit radikalem staatlichen Eingriff in die Wirtschaft, einschließlich hoher Zölle, um die junge Industrie zu schützen, erst auf Textilien, dann auf Stahl und andere.
Es gab noch einen anderen “Quasi-Zoll.” 1807 zeichnete Präsident Jefferson eine Gesetzesvorlage, welche den Import von Sklaven aus dem Ausland verbot. Sein Staat Virginia war der reichste und mächtigste Staat, und hatte seinen Bedarf an Sklaven ausgeschöpft. Vielmehr begann er, den wertvollen Grundstock für die expandierenden Sklaven-Territorien des Südens zu legen. Der Verbot des Imports dieser Baumwollpflückmaschinen war somit ein beträchtlicher Auftrieb für die Wirtschaft Virginias. Das wurde verstanden. Als Sprecher der Sklaven-Importeure klagte Charles Pinckney: “Virginia wird durch den Stop der Importe gewinnen. Seine Sklaven werden an Wert steigen, und er hat mehr als er will.” Und Virginia wurde tatsächlich zu einem der Haupt-Exporteure von Sklaven in die expandierende Sklaven-Gesellschaft.
Manche der Sklavenhalter, wie Jefferson, schätzten die moralische Verderbtheit, auf welcher sich die Wirtschaft stützte. Aber er fürchtete die Freilassung der Sklaven, die „zehntausend Erinnerungen“ an die Verbrechen, denen sie unterworfen waren. Befürchtungen, daß sich die Opfer erheben und Rache nehmen, sind tief in der amerikanischen Kultur verwurzelt und reichen bis in die Gegenwart hinein.
Das dreizehnte Amendement beendete formell die Sklaverei, aber ein Jahrzehnt wurde später eine “anders genannte Sklaverei” ( so auch der Titel einer wichtigen Studie von Douglas A. Blackmon ) eingeführt. Schwarzes Leben wurde kriminalisiert durch übermäßig harte Gesetze gegenüber schwarzen Menschen. Bald gab es in der Agrarwirtschaft, im Bergbau, in der Stahlindustrie eine sogar noch wertvollere Form der Sklaverei — wertvoller, weil der Staat, nicht der Kapitalist, dafür zuständig war, die versklavte Arbeitskraft zu erhalten, was bedeutet, daß Schwarze ohne triftigen Grund festgenommen wurden und als Gefangene für wirtschaftliche Interessen arbeiten mußten. Dieses System trug einen hauptsächlichen Teil zur raschen industriellen Entwicklung ab dem späten 19. Jahrhundert bei.
Dieses System blieb ziemlich unverändert bestehen, bis der 2. Weltkrieg zu einem Bedarf an freier Arbeit für die Kriegsindustrie führte. Dann folgten ein paar Jahrzehnte des raschen und ziemlich egalitären Wachstums, wobei der Staat eine noch entscheidendere Rolle bei der wirtschaftlichen Entwicklung spielte als zuvor. Ein schwarzer Mann konnte nun einen anständigen Job in einer Fabrik mit gewerkschaftlicher Organisation bekommen, ein Haus kaufen, seine Kinder aufs College schicken, und hatte noch weitere Möglichkeiten. Die Bürgerrechtsbewegung öffnete weitere Türen, wenn auch in begrenztem Umfang. Ein Beispiel war das Schicksal von Martin Luther King’s Bemühungen, dem nördlichen Rassismus zu begegnen und eine Bewegung der Armen zu entwickeln, die effektiv blockiert wurden.
Der neoliberale Umschwung, der ab den späten 70ern einsetzte und unter Reagan und seinen Nachfolgern eskalierte, traf die ärmsten und unterdrücktesten Teile der Gesellschaft mehr als die große Mehrheit. Diese litten unter relativer Stagnation oder wirtschaftlichem Niedergang, während sich Reichtum in ganz wenigen Händen sammelte. Reagan’s Drogenkrieg, zutiefst rassistisch in Konzeption und Durchführung, brachte einen neuen Jim Crow (https://de.wikipedia.org/wiki/Jim_Crow ), Michelle Alexander’s passender Terminus für die wieder zum Leben erweckte Kriminalisierung schwarzen Lebens, hervor, was an schockierenden Inhaftierungszahlen und verheerenden Auswirkungen auf die schwarze Gesellschaft sichtbar wird.
Die Realität ist natürlich komplexer als eine simple Zusammenfassung, aber dies ist leider eine ziemlich exakte erste Annäherung an eine der beiden stützenden Verbrechen der amerikanischen Gesellschaft, zusammen mit der Vertreibung oder Ausrottung indigener Völker und Zerstörung ihrer komlexen und reichen Zivilisationen.
‘Beabsichtigtes Unwissen’ bezüglich der unangenehmen Wahrheiten über das Leiden der Afro-Amerikaner kann auch als Terminus verwendet werden, um den Genozid an den amerikanischen Ureinwohnern zu veranschaulichen.
G.Y.: Jefferson begründete die moralische Verderbtheit, auf der die Sklaverei basierte, in seinen “Notizen zum Staat Virginia“ damit, daß schwarze Menschen schwerfällig im Vorstellungsvermögen und den Weisen im Denken unterlegen seien, und schwarze Orang-Utans sogar schwarze Frauen gegenüber den eigenen bevorzugen würden. Durch diese Mythen, zusammen mit den Gesetzen für Schwarze, die dem Bürgerkrieg folgten, gelang es, schwarze Menschen weiterhin zu unterdrücken und zu kontrollieren. Was sind Ihrer Meinung nach die zeitgenössischen Mythen und Gesetze, die erlassen werden, um heutzutage schwarze Menschen weiterhin zu unterdrücken und zu kontrollieren?
N.C.: Leider war Jefferson bei Weitem nicht allein. Überflüssig, den bis in die jüngste Zeit anhaltenden schockierenden Rassismus in ansonsten aufgeklärten Kreisen zu erwähnen. Was „zeitgenössische Mythen und Gesetze“ angeht, bevorzuge ich es, auf die vielen deutlichen Stimmen zu verweisen, die diesen bitteren Nachlaß einer unrühmlichen Vergangenheit beobachten und oft erfahren.
Vielleicht ist der entsetzlichste zeitgenössische Mythus, daß nichts davon passiert sei. Der Titel von Baptist’s Buch ist allzu treffend, und die Nachwirkungen sind viel zu wenig bekannt und verstanden.
Es gibt auch eine allgemeine Variante von etwas, das manchmal “beabsichtiges Nicht-Wissen” von unbequemen Wahrheiten genannt wird: “Ja, in der Vergangenheit sind schlimme Dinge passiert, aber lassen wir das alles hinter uns und machen uns auf den Weg in eine ruhmreiche Zukunft, in der wir alle gleichermaßen die Rechte und Möglichkeiten der Bürgerschaft teilen.” Man kann die entsetzlichen Statistiken der heutigen Umstände afro-amerikanischen Lebens dem bitteren Nachlaß einer schmachvollen Vergangenheit, Klagen über eine kulturelle Unterlegenheit der Schwarzen, oder schlimmer, dem Vergessen darüber, wie unser Wohlstand und unsere Privilegien zu einem nicht geringen Teil durch Jahrhunderte der Qual und der Erniedrigungen derer, welche Opfer bleiben während wir die Nutznießer sind, entstanden sind, gegenüberstellen. Was die sehr geringe und hoffnungslos inadequate Entschädigung betrifft, die der Anstand gebieten würde — diese liegt irgendwo zwischen der Gedächtnislücke und dem Greuel.
Jefferson, dies sei zu seiner Ehre gesagt, stellte wenigstens fest, daß die Sklaverei, bei der er mitmischte, “einerseits unaufhörlicher Despotismus, und andererseits erniedrigende Unterwerfung“ war. Und das Jefferson-Denkmal in Washington zeigt seine Worte: “Ich bange in der Tat um mein Land, wenn ich daran denke, daß Gott gerecht ist: Daß seine Gerechtigkeit nicht ewig schlafen kann.” Worte, die zusammen mit John Quincy Adams’ Betrachtungen der jahrhundertelangen Verbrechen von der Staatsgründung an und des Schicksals des „glücklosen Volkes der amerikanischen Ureinwohner, die wir mit einer solchen Unbarmherzigkeit und perfiden Grausamkeit ausrotten….und der abscheulichen Sünden dieser Nation, von denen ich glaube, daß Gott eines Tages darüber richten wird”, für immer in unser Gedächtnis eingebrannt sein sollten.
Was zählt, ist unser Urteil, zu lange und zu stark unterdrückt, und die gerechte Reaktion darauf. Darüber wird bisher kaum nachgedacht.
G.Y.: Mit diesem “beabsichtigten Unwissen”, was die unbequemen Wahrheiten über das Leiden der Afro-Amerikaner angeht, kann man auch den Genozid an den amerikanischen Ureinwohnern beschreiben. Der schwedische Taxonomist des 18. Jahrhunderts, Carolus Linnaeus, argumentierte, daß man die amerikanischen Ureinwohner dadurch beherrschte, indem man ihnen Chraktereigenschaften wie “neigen zum Zorn” zuschrieb, ein Mythus, der dafür geeignet war, die Notwendigkeit, die amerikanischen Ureinwohner durch die Weißen zu zivilisieren, zu rechtfertigen. Nun, Mythen gibt es auch hier. Wie trägt Nordamerikas „Amnäsie” zu Formen des Rassismus, die man heutzutage einzig und allein gegenüber der amerikanischen Ureinwohner anwendet, und zu ihrem fortdauernden Genozid bei?
N.C.: Die nützlichen Mythen entstanden von früh an, und reichen fort bis in die Gegenwart. Einer der ersten Mythen entstand direkt nachdem der König von England der Kolonie der Küste Massachusetts 1629 einen Freibrief gab, welcher bekanntgab, daß der Übertritt der Indianer zum Christentum das „hauptsächliche Ende dieser Plantage“ sei. Die Siedler schufen umgehend den großen Siegel der Kolonie, welcher einen Indianer, der einen Speer, mit dem er nach unten auf ein Friedenszeichen zeigt, trägt, zusammen mit einer Spruchblase und einer an die Siedler gerichteten Bitte „kommt und helft uns“ darstellt. Das könnte der erste Fall der „humanitären Intervention“ gewesen sein — und seltsamerweise endete diese so wie so viele andere.

Jahre später dachte der Richter des Supreme Court, Joseph Story, über die „Weisheit der Vorsehung“ nach, die dazu führte, daß die Ureinwohner verschwanden wie „die vertrockneten Blätter des Herbstes“, obwohl die Siedler sie immer respektiert hatten. Man braucht nicht zu erwähnen, daß es die Siedler, die sich nicht für „beabsichtigtes Unwissen“ entschieden hatten, viel besser wußten, und die mit dem größten Wissen, wie General Henry Knox, der erste Kriegsminister der Vereinigten Staaten, beschrieben “die totale Ausrottung aller Indianer in den dichtest besiedelten Teilen der Union als ( selbstverständlich ) zerstörerischer für die indianischen Ureinwohner als das Verhalten der Eroberer von Mexiko und Peru.”

Knox warnte weiterhin, daß “ein zukünftiger Historiker die Gründe dieser Zerstörung der menschlichen Rasse in düsteren Farben schildern könne.” Es gab einige wenige — sehr wenige — die dies taten, wie die heldenhafte Helen Jackson, die 1880 einen detaillierten Bericht der “traurige Enthüllung zerbrochener Hoffnungen, von Vertragsbrüchen und von inhumaner Gewaltanwendung, die die Schamesröte ins Gesicht derer treibt, die ihr Land lieben“ veröffentlichte. Jacksons wichtiges Buch wurde kaum verkauft. Sie wurde vernachlässigt und abgelehnt zugunsten der Version von Theodore Roosevelt, der erklärte, daß “die Ausbreitung der Völker weißen, oder europäischen, Blutes während der letzten vier Jahrhunderte…mit bleibenden Vorteilen für die meisten der Völker, die bereits in den Ländern, in denen die Expansion stattfand, lebten, verbunden war“, womit er, um es noch einmal deutlich zu machen, diejenigen meinte, die „ausgerottet“ und in Mittellosigkeit vertrieben worden sind.
Der Nationaldichter Walt Whitman gab die allgemeine Auffassung wieder, als er schrieb: “Der Neger, wie die Rothaut, wird ausgerottet werden; es ist das Gesetz der Rasse, der Geschichte… Eine überlegene Gattung von Ratten kommt und daraufhin werden alle geringeren Rattenarten vernichtet.” Erst in den 1960ern begann der Grad und die Art der Grausamkeiten in die Lehrbücher Einzug zu halten, und damit zu einem gewissen Grad ins öffentliche Bewußtsein, aber wir haben noch einen langen Weg vor uns.

Das ist lediglich ein bloßer Beginn des schockierenden Rekords der Anglosphäre und seiner Siedler-Kolonisten-Version des Imperialismus, einer Form von Imperialismus, die unweigerlich zur “kompletten Ausrottung” der indigenen Bevölkerung führt — und zum “beabsichtigten Unwissenheit” auf Seiten der Nutznießer der Verbrechen.
G.Y.: Ihre Antwort schneidet das Thema der Kolonisierung als einer Form der Besetzung an. James Baldwin schrieb 1966 in seinem Aufsatz “Ein Bericht aus einem besetzten Gebiet”: Harlem wird überwacht wie ein besetztes Gebiet.” Dieses Zitat läßt mich an Ferguson, Mo. denken. Einige der Demonstranten in Ferguson verglichen sogar das, was sie sahen, mit dem Gazastreifen. Können Sie sich zu diesem Vergleich äußern?
N.C.: Jeder Vergleich ist möglich. Als ich vor ein paar Jahren im Gazastreifen war, mußte ich sehr schnell an die Erfahrung, im Gefängnis zu sein, denken ( Ich saß viele Male für zivilen Ungehorsam. ): das Gefühl, daß Du gänzlich unter Kontrolle einer externen Autoriät bist, die willkürlich ist und wenn sie es will, auch grausam. Dieses Gefühl scheint Leuten die privilegierte Leben hatten, riesig. Aber die Unterschiede zwischen den beiden Fällen sind natürlich riesig.
Im Großen und Ganzen bin ich ein wenig skeptisch, was den Wert von Vergleichen wie dem erwähnten, angeht. Natürlich gibt es gemeinsame Merkmale, die verschiedenen Arten von unrechtmäßiger Autorität, Repressionen und Gewalt, die sich sehr ähnlich sind. Manchmal können sie sehr aufschlußreich sein, zum Beispiel Michelle Alexander’s Analogie eines neuen Jim Crow, wie bereits erwähnt. Oft können sie entscheidende Unterschiede auslöschen. Ehrlich gesagt, sehe ich nichts Allgemeingültiges, was erwähnenswert wäre. Jeder Vergleich muß für sich allein beurteilt werden.
G.Y.: Diese Unterschiede sind gewaltig und natürlich möchte ich sie nicht zusammenfassen. Die Zeit nach 9/11 scheint zu einem wichtigen Zeitpunkt, um einige Vergleiche anzustellen, zu führen. Manche sind der Ansicht, daß Moslems arabischer Herkunft die Afro-Amerikaner als die Ausgestoßenen der Vereinigten Staaten ersetzt haben. Wie denken Sie darüber?
N.C.: Anti-arabischer/muslimischer Rassismus hat eine lange Geschichte, und es gibt eine beträchtliche Menge an Literatur darüber. Jack Shaheen’s Studien der klischeehaften Darstellung in visuellen Medien, zum Beispiel. Und dies hat zweifellos in den letzten Jahren zugenommen. Um nur ein lebhaftes aktuelles Beispiel zu geben: Zuschauer strömten in rekordverdächtiger Zahl in einen Film, der im Kulturteil der New York Times als eine „patriotische, familienfreundliche Darstellung“ beschrieben wurde und von einem Schützen handelte, der angibt, den Rekord im Töten von Irakern während der Invasion der Vereinigten Staaten zu halten, und seine Ziele stolz als “brutal, verabscheuenswürdig, übel…es gibt wirklich keine anderen Worte, zu beschreiben, was wir dort erlebt haben“ beschreibt. Dies bezog sich ausdrücklich auf seine erste Tötung, eine Frau, die eine Granate hielt, während sie von den US Streitkräften angegriffen wurde.
Wichtig ist nicht nur die Mentalität des Schützen, sondern auch die Reaktion auf solche Heldentaten in der Heimat, wenn wir in ein fremdes Land einmarschieren und es zerstören, die kaum Unterschiede zwischen dem einen oder anderen “Radhead” macht. Diese Einstellung geht zurück auf die “erbarmungslosen indianischen Wilden” der Unabhängigkeitserklärung und die Wildheit und Unmenschlichkeit anderer, die seitdem im Weg standen, insbesondere, wenn ein “rassisches” Element heraufbeschwört werden kann — wie bei Lyndon Johnson, der klagte, daß wir, wenn wir aufhören, wachsam zu sein, unter der Gnade “jeden gelben Zwergs mit einem Taschenmesser” stehen. Aber obwohl es viele bedauerliche Vorfälle gibt, denke ich, daß innerhalb der Vereinigten Staaten anti-arabischer / muslimischer Rassismus in der Bevölkerung relativ gering ist.
G.Y.: Schlußendlich ist die Realität des Rassismus (ob er nun anti-schwarz, anti-arabisch, anti-jüdisch ist ) giftig. Da es keine einzelne Lösung für Rassismus gibt, besonders im Hinblick auf seine verschiedenen Ausdrucksformen, was erachten Sie für notwendig, um rassistischen Hass zu beenden?
N.C.: Es ist leicht, die üblichen Antworten herunterzurasseln: Bildung, die Ursachen des Übels herauszufinden und zu benennen, sich in gemeinsamen Unternehmen zusammenfinden — der Kampf um Arbeitsplätze ist ein wichtiges Element — und so weiter. Die Antworten sind richtig, und haben viel erreicht. Rassismus ist noch lange nicht beseitigt, aber er ist nicht so, wie er noch vor nicht allzu kurzer Zeit war, dank solcher Leistungen. Es ist eine lange, harte Reise. Es gibt keinen Zauberstab, soviel ich weiß. .
Dieses Interview wurde per Email geführt und editiert. Frühere Interviews dieser Serie (mit Linda Martin Alcoff, Judith Butler, Joy James, Charles Mills, Falguni A. Sheth, Shannon Sullivan und Naomi Zack) kann man hier finden.

George Yancy ist Professor für Philosphie an der Duquesne Universität. Er hat zahlreiche Bücher geschrieben oder allein oder mit anderen editiert, unter anderem “Schwarze Körper, weiße Blicke,” “Schau, ein Weißer!” und “Die Verfolgung von Trayvon Martin,” das er zusammen mit Janine Jones editierte.

Werbeanzeigen